Bayerisches Bier und die Braukunst in Bayern haben eine lange Geschichte, die bis ins Jahr 725 zurückreicht. Zu dieser Zeit bildeten sich die ersten Klöster in Bayern, die seit jeher die Kunst des Bierbrauens beherrschten und großen Einfluß auf die Tradition und das Brauwesen in Bayern hatten.
Im Jahr 725 gründete der heilige Korbinian mit zwölf Gefährten das Benediktinerkloster Weihenstephan bei Freising, das offizielle Datum für den Beginn der Braukunst in Bayern wird jedoch erst auf 1040 datiert. In diesem Jahr erhielt das Kloster Weihenstephan von der Stadt Freising das Brau- und Schankrecht. Auch in München waren es zunächst Klöster, die schon bald nach Gründung der Stadt München in 1158 mit dem Bierbrauen begannen und die ersten Klosterbrauereien in Bayern gründeten. Die ersten Braumeister stammten aus dem Orden der Franziskaner und der Augustiner, nach deren Orden auch die heutigen Münchner Brauereien noch benannt sind.

Ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung der Braukunst in Bayern war die Brauverfassung von 1372, die durch den bayerischen Herzog Stephan II. erlassen wurde. Bis dahin war das Bierbrauen neben den Klöstern nur Vertretern der obersten Bürgern und reichen Patriziern vorbehalten. Für die von Herzog Stephan II. bzw. seinen Söhnen verwalteten Herzogtümer Ingolstadt, Landshut und München erließ er das Braurecht für jedermann gegen Bezahlung einer Gebühr. Ebenso wichtig war das Jahr 1516, als Herzog Wilhelm IV. das Bayerische Reinheitsgebot erließ, das außer Wasser, Hopfen und Malz alle Zusatzstoffe beim Bierbrauen gegen Strafe verbot. Bis dahin konnte man in seinem Bier allerlei Stoffe und Kräuter finden, die die Haltbarkeit des Bieres verlängern sollten, zugleich aber auch teilweise recht ungesund waren. Dieses Bayerische Reinheitsgebot hat sich bis heute in Deutschland gehalten und ist nunmehr als Deutsches Reinheitsgebot bekannt.

Wirtschaftliche Fortschritte, technische Erfindungen und ein immer größer werdender Durst auf Bier bescherte den bayerischen Brauereien vor allem im 18. und 19. Jahrhundert einen ordentlichen Aufschwung. Doch erst die Erfindung der Kältemaschine durch Carl von Linde im Jahr 1873 brachte den Durchbruch zur industriellen Bierherstellung, allen voran durch die großen Münchner Brauereien. Die Entdeckung der Bierhefe durch Louis Pasteuer brachte dann auch eine spürbare Qualitätsverbesserung mit sich. Es begann die Gründerzeit der großen Brauereien, die sich nach und nach in Aktiengesellschaften umwandelten, gefolgt von einem immensen Anstieg des Bierkonsums in Bayern und insbesondere in München. Erst die beiden Weltkriege und die Regulierungswut der NSDAP stoppten das immense Wachstum der bayerischen Brauereien. Heute gehört bayerisches Bier zu den geschützten Herkunftsbezeichnungen in der Europäischen Union und zu den Produkten, für die Bayern in der ganzen Welt bekannt ist.


